Atemwegserkrankungen

Die Pferdelunge ist ein Hochleistungsorgan. Für den Gasaustausch in den Lungenbläschen steht eine Gesamtfläche von der Größe eines Fußballfeldes zur Verfügung.

Husten ist das Leitsymptom für Atemwegserkrankungen. Nehmen Sie auch seltenes Anstoßen unbedingt ernst.

Es gibt viele Ursachen:

  • Viren, Bakterien (gelegentlich Parasiten)
  • Allergien auf Pilzsporen (Vermehrungsformen der Pilze), auf Heu- und Strohstaub sowie auf Blütenpollen
  • Haltungsfehler: mechanische Reizungen (Staub, Futterpartikel, trockene Luft); thermische und chemische Reize (Ammoniakbelastung, Kälte)
  • Bewegungsmangel
  • unspezifische Überempfindlichkeit

Oft treffen zwei Ursachen zusammen. Eine Infektion erleichtert ggf. die Allergisierung des Pferdes gegen Staub. Daraus kann dann eine chronische Erkrankung entstehen. Die Schwere der Erkrankungen variiert sehr stark und ist individuell.

Der Körper besitzt eine Art Selbstreinigungsmechanismus der Schleimhäute, die sogenannte mukoziliäre Clearance. Die Schleimhäute bilden kontinuierlich Schleim. Wenn ein Pferd erkrankt, werden die Schleimhäute gereizt und entzündet. Der Schleim vermehrt sich und verändert seine Konsistenz.

Als Reaktion darauf entsteht mehr Auswurf oder der Schleim wird zäh und verbleibt in den Atemwegen, was zu Atmungsproblemen führen kann. Auch spastische Reaktionen sind möglich.

Wird eine akute Hustenerkrankung nicht innerhalb von 2 bis 3 Wochen zur Abheilung gebracht, kann sie in eine chronische Erkrankung übergehen.

Behandlung durch unsere Praxis

Diagnostik

Aufnahme eines genauen Vorberichtes mit besonderem Gewicht auf Angaben über Art und mögliche Veränderungen der Haltung des Pferdes:

Auskultation (Abhören) in Ruhe
Auskultation der ersten Atemzüge nach Atemstimulation
Perkussion (Abklopfen) des Lungenfeldes, um nicht mehr beatmete Lungenbereiche zu identifizieren
Endoskopie (Spiegelung) der Trachea (Luftröhre) und der Bifurkation (Verzweigungen)

Je nach Ursache, Grad der Erkrankung, Fitness und äußeren Bedingungen erstellen wir einen individuellen Therapieplan.

Die 4 Säulen der Behandlung:

  1. den zähen Schleim lösen und abtransportieren
  2. Bronchien entkrampfen (spasmolytisch) – der Durchmesser der Luftwege vergrößert sich wieder – der Schleim kann wieder abtransportiert werden
  3. Entzündungshemmung, damit die Überreaktion einzelner Zellen und die damit einhergehende übermäßige Bildung von Schleim reduziert wird
  4. Stimulation und Unterstützung der körpereigenen Abwehr

Der Schweregrad der Lungenschädigung bestimmt, ob eine ambulante oder stationäre Behandlung notwendig ist. Berücksichtigt wird auch die Fähigkeit des Besitzers, den großen Zeitaufwand der Behandlung bei schwereren Erkrankungen zu bewerkstelligen.

Ambulant

  • Medikamente werden durch den Besitzer in das Futter oder direkt in das Maul gegeben

Inhalation

  • unsere Praxis stellt Leihgeräte zur Verfügung; regelmäßiger Kontakt mit uns, um die Zusammensetzung der Inhalationsmedikamente abzusprechen
  • mindestens einmal täglich muss die Bewegung des Pferdes bis zum Eintritt intensiver Atmung gewährleistet sein

Stationär

  • in unserem Praxisstall in einer Außenbox
  • Medikamente werden intravenös oder intramuskulär verabreicht
  • je nach Anweisung des Tierarztes wird der Patient ein- oder mehrmals täglich inhaliert
  • schonende Bewegung unmittelbar nach Inhalation bis intensive Atmung entsteht

Die Bewegung des Pferdes ist in jedem Stadium der Erkrankung absolut notwendig. Die Palette reicht von einem Spaziergang (bei Fieber) bis zum Eintritt intensiver Atmung. Sauerstoff sollte, unterstützt mit den jeweiligen Medikamenten, bis in das letzte Lungenbläschen vordringen können.